GFST04 – Gretchenfrage Stammtisch: fundamentalistische Evangelikale und ein selbstbestimmtes Leben

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Gretchenfrage, Stammtisch

Veröffentlicht: 1.10.2016

In dieser Folge sprechen wir mit Cornelis Kater, Podcaster für die Formate “Schöne Ecken”, die “Bahnhelden” und den “Anycast”.

Ihn haben wir auf dem Podcamp 2016 getroffen und schon da gemerkt, dass wir dringend eine Folge aufnehmen müssen. Mit ihm reden wir über seine Kindheit und Jugend in einer evangelikalen Gemeinde, die von Angst vor Sünde und Hölle geprägt war und darüber warum er trotzdem findet, dass jede und jeder, sowie die Welt im Allgemeinen trotzdem Religion braucht.

Viel Spaß beim Hören!

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7 Gedanken zu „GFST04 – Gretchenfrage Stammtisch: fundamentalistische Evangelikale und ein selbstbestimmtes Leben

  1. Hi liebe Leute,
    vielen Dank für eine erneut interessante Folge. Macht weiter so. 🙂

    Drei Dinge sind mir beim hören eingefallen.
    1.) Könnt ihr mir erklären, warum wir Katholiken bereits mit 9 oder 10 Jahren zur Erstkommunion gehen? Ist doch schon sehr früh und für einen fundamentalistischen Priester oder wer auch immer die “religiöse Erziehung” durchführt ein leichtes Ziel für Indoktrinationen.
    2.) Mark, ich kann deine Argumentation sehr gut verstehen, denke aber immer wieder an ein Zitat, angeblich von Benjamin Franklin. Er soll gesagt haben, wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen wird am Ende beides verlieren.
    Konkret gehört beispielsweise die Arbeit mit jugendlichen Nazis ins Aufgabenfeld von Sozialarbeitern. Könnte ich nicht, die Arbeit ist aber wichtig. Was ich damit sagen will. Es gibt Bereiche oder Dinge, da ekelt man sich vor, trotzdem muss die Demokratie dies zulassen. Aber eigentlich wiederhole ich gerade nur, was Flo gesagt hat. Kluger Mann. Doofes Thema.
    Kommen wir zu
    3.) In einer Antwort auf einen Kommentar von mir zu einer früheren Folge ließ Mark sich dazu hinreißen, zu sagen, zu vielen Themen müsste man euch mal interviewen. Ich selbst habe wohl nicht die Zeit, mich mit Headset bewaffnet an den Rechner zu setzen und das mit euch machen. Zumindest in Moment fehlt die Zeit. Aber ich könnte euch einen Fragenkatalog zusammen stellen. Quasi als neue Formatidee.
    Schreibt mal, was ihr davon haltet.
    Grüße
    Dominik

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    1. Moin Dominik,
      Um Deinen Punkt 1) vielleicht nicht zu beantworten, aber villeicht etwas zu beleuchten:
      Die “Erstkommunion” ist erst später als eigenständiges Sakrament hinzugekommen, bzw. besser als eigenständiger Festakt. Eigentlich gehört es zu den sog. Initiationssakramenten; Diese sind Taufe, Kommunion und Firmung.
      Nach CIC ist als Normalfall eigentlich die Taufe mit dem Erwachsenenalter vorgeseh und dieses Recht behält sich der jeweilige Bischof vor. Es wird also quasi die Ausnahme zur Norm.

      Mit der Christianisierung Europas konnte ein Bischof kaum noch hinterher kommen, mit seinen Taufen udn so wurde das Taufen an die Ortspfarrer delegiert, genau wie die Erstkommunion. Kindstaufe war im frühen Mittelalter natürlich noch wichtiger, da die Sterblichkeit hoch war. Man hat also die Initiationssakramente drei geteilt. Da Kinder im alter von 9-10 langsam verstehen was das ist, was sie da feiern und um sie als Christen teilhaben zu lassen, gab man ihnen die Kommunion. Aber es muss ein mindestmaß an Aufklärung und Bildung stattgefunden haben.

      Teil Drei, die Firmung, die behält sich der Bischof vor. Und erst danach ist man quasi “vollwertiger” Christ. Die Salbung stammt aus der Antike, in der man Krieger salbte, damit Angreifer von ihnen im Nahkampf “wegglitschten”. Dieses Symbol wird nun benutzt um den Christen auf das Ringen mit dem Teufel vorzubereiten.
      Und auch die Firmung bekommt man erst bei erfolgreich abgeschlossener Bildung, nach dem Kathechumenat.

      Ich hoffe, dass ich nicht zu viel Verwirrung stiftete. 🙂 Ansonsten hör doch mal in Gott bewahre! Episode 1 und 2 rein! 🙂

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      1. … man könnte hinsichtlich der Salbung noch ergänzen, dass in der Bibel auch Propheten und Priester gesalbt werden und Könige auch und dass mit der Initiation in Taufe, Eucharistie und Firmung der Christ “Anteil erhält am Priester- Königs- und Prophetenamt Jesu” …

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    2. Könnt ihr mir erklären, warum wir Katholiken bereits mit 9 oder 10 Jahren zur Erstkommunion gehen? Ist doch schon sehr früh und für einen fundamentalistischen Priester oder wer auch immer die “religiöse Erziehung” durchführt ein leichtes Ziel für Indoktrinationen

      Wilhelm hat das ja schon historisch und kirchenrechtlich beleuchtet. Historisch-theologisch kommt noch ein Grund hinzu: Mit der Kommunion verbindet sich die volle Zugehörigkeit zum Christentum. Je eher jemand getauft ist und an der Eucharistie teilnehmen kann, so die Vorstellung des Mittelalters, desto sicherer entgeht dieser Mensch der Hölle. In der Welt des Mittelalters ist das zentral wichtig, denn die Angst vor der Hölle ist allgegenwärtig.
      Die Kindersterblichkeitsrate war hoch und deswegen ist es wichtig, Kinder früh zu taufen und früh an der Eucharistie teilnehmen zu lassen.

      Heute ist das durchaus umstritten, denn Kinder verstehen m.E. nicht unbedingt, was die Eucharistie wirklich ist. Ein solches Verständnis ist aber eigentlich Voraussetzung für den rechten Empfang eines Sakraments.

      Indoktrination… hm… das ist eine andere Diskussion. Nämlich die darum, ob man Menschen schon früh an eine Religion heranführen sollte oder nicht. Denn womöglich nimmt man ihnen mit der frühen Heranfürhung ja die freie Entscheidung.

      Beides übrigens Stoff für ne neue Folge. ^^
      Ich stehe da auf dem Standpunkt, dass ein Mensch Religion lernen muss. Ob das im Kindesalter passieren muss, weiß ich nicht. Aber sie muss erlernt UND erfahren werden. Die Gefahr einer Indoktrination sehe ich da eher nicht. Vor allem, weil der Erstkommunionunterricht nicht selten von Eltern gestaltet wird, anstatt von einem Priester.

      Kluger Mann.

      Das ist er. Deswegen podcaste ich mit ihm. ^^

      Aber ich könnte euch einen Fragenkatalog zusammen stellen. Quasi als neue Formatidee.

      Schick her. Wir basteln da was draus.

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  2. Ich habe da ähnliche Erfahrungen gemacht und finde es gut, dass Cornelis so offen damit umgeht. Ich brauchte einige Jahre um wieder ein normales Leben zu bekommen. Aussteigen ist gar nicht so leicht. Auch deshalb sehe ich es mit großem Befremden, dass es hier in Deutschland immer mehr von diesen US Sekten gibt.

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  3. Ich habe euern opener in gott bewahre gehört und dachte mir, ich muss mal vorbei surfen. jetzt habe ich diese episode über mein iphone gehört und werde euch wohl weiter zu hören …

    Zur Folge:
    Und wie es auch katholische Sektierer gibt! Ich sage ja nur Gemeinschaft Emmanuel und die Neo Kathechumenen. Sie machen das ganz ähnlich und schaffen geschlossene Gruppüen innerhalb der eigentlichen Gemeinden udn Hetzen dann auch gerne mal.

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  4. Danke Flo, dass du mich mal wieder auf euren Podcast angesetzt hast…
    Ich hätte so viel dazu zu sagen, genieße aber vor allem euer Theologiesieren in dieser Welt.
    Mut, Entscheidung, Freiheit und Zeugnis sind die Schlagworte, die mir darüber hinaus als Anregung und Anfrage für meinen Dienst bleiben.
    Wie ich bereits persönlich anbot: Frauensicht kann ich gerne einbringen, so ihr wollt.
    Grüße Katha – ja, genau die! 😉

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