GretchenfrageInterview

GF012: Heilige – Ignatius von Loyola

Veröffentlicht: 16.9.2017

Nach einer erneut viel zu langen Sommerpause melden wir uns zurück mit einer Folge zu Ignatius von Loyola – Begründer der Exerzitien (siehe Folge “Exerzitien”) und des Jesuitenordens.

Um diese Person zu verstehen, und vor allem seine Spiritualität, haben wir uns Silvia Betinska (Exerzitienreferat des Bistums Essen) ans Mikro geholt; eine der Mitarbeiterinnen des Exerzitienreferats des Bistums Essen und ehemals Maria Ward – Schwester (Oder auch: Congregatio Jesu).

Mit ihr reden wir über ignatianische Spiritualität und ihre Verbindung zur modernen Psychotherapie, ob Heiligsprechungen wirklich sinnvoll sind, warum Heilige auch Ecken und Kanten haben und Sünder sein dürfen und warum Jesuiten bis heute keine Scheu haben Skandale wie die Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg öffentlich zu machen.

Und natürlich kommen wir am Ende nicht ohne ein Wort zu den Kommentaren zu unserer letzten Folge nicht aus.

 

Viel Spaß beim Hören!

 

Shownotes:

 

Verweis auf Franziskus Folge
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4 Gedanken zu „GF012: Heilige – Ignatius von Loyola

  1. Erstmal vielen Dank für die Folge, es war wie immer sehr anregend dem zuzuhören wie aus einer christlichen Sicht auf die Welt und den Menschen geblickt wird. Bei Ignatius find ich es besonders spannen wie modern und zugänglich seine Sicht auf die Welt ist, die ich sehr gut nachvollziehen konnte und selbst auch versuche so zu leben.
    Ich versuche mich aber an die Chronologie der Folge zu halten… ich würde auch sagen, Menschlichkeit und Heiligkeit sind nicht getrennt von einander zu betrachten. Ich finde es schon immer merkwürdig, wenn Gott als außenstehendes Ding separiert wird, da Gott doch in uns ist/ wirkt und in allem ist (nach meiner Überzeugung).
    Mit dem Wort Heiligkeit kann ich aber leider relativ wenig anfangen, mir kommt es wie ein Titel/ Rang vor der einem halt innerhalb einer Gemeinschaft verliehen wird um auf Besondere Taten aufmerksam zu machen.
    Nun aber zu Ignatius, mir kommt es so vor als hätte er auf seinem Krankenbett zur Spiritualität gefunden (da wäre nich interessant zu wissen wie schwer die Verletzung war und ob er sich vielleicht auch seiner eigenen Vergänglichkeit/Endlichkeit bewusst wurde).
    Dieses „nicht ich habe mein Leben in der Hand, sondern das Leben ist ein Geschenk“ – es dieser völlige Kontrollverlust, das Loslassen vom Ich und die Hingabe zu der größeren Aufgabe die man für sich erkannt hat, Erleuchtung ist wahrscheinlich zuviel gesagt, aber es ist ja schon ein Moment extremer Klarheit und Verbundenheit. Und das mit der Freiheit ist ja immer so eine Sache, nach meiner Vorstellung haben wir alle keine Freiheit, aber Frau Betinska hat schon Recht, wenn Sie sagt, dass du nie gezwungen bist etwas zu tun, also die Realität ändert sich ja nicht, nur weil du etwas verstanden hast (bzw. ändert sie sich nur für dich).
    Das nichtwertende Zeitnehmen ist doch schon Meditation! „beim nächsten einatmen einen neuen Versuch starten“ das ist genau meditieren, und mir hilft meditieren auch gegen „the lower self“, was Mark meinte.
    Ich hab jetzt bestimmt die hälfte meiner Gedanken beim Hören unterschlagen, aber das muss jetzt so unvollständig menschlich stehen bleiben, verzeiht es mir bitte.

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  2. Hallo Ihr,

    vielen Dank für diesen Podcast!

    Ich kann allen die Exerzitien nach Ignatius nur wärmstens empfehlen! Er ist da einen Weg gegangen, der auch mir in einer Krise geholfen und mich ganz generell im Glaubensleben weitergebracht hat. Nach mehreren Tagen im Schweigen und den regelmäßigen Übungen hatte ich eine Freude in mir, obwohl die Krise noch lange nicht vorbei war. Schwer zu beschreiben… Obwohl es sehr praktische Dinge sind, an die man sich halten kann, scheint mir der Kern doch zu sein, sich Gott hinzuhalten. Die Bezogenheit auf ihn (mit seiner Hilfe) irgendwie zu „realisieren“. Zur Person werden. Hm, ich kann es nicht besser sagen…

    Der Religionsphilosoph Jörg Splett (jahrzehntelang Professor an einer jesuitischen Hochschule) hat unter Rückgriff auf Ignatius und Rahner gesagt, dass der Zeitgeist eben nicht Recht hat, wenn alle (fernöstliche) Meditation so toll und Beten altmodisch finden. Meditation ist die Vorstufe zum Beten, nicht umgekehrt. – Sehr wahr, wenn man christliche Meditation damit meint (die fernöstliche Kontemplation in Richtung Leere funktioniert bei mir eh nicht…). Ich empfinde beten nun nochmal ganz anders. (Bin aber weit davon entfernt, besonders geübt zu sein…)

    Und an alle mitlesenden Protestanten:
    Ignatianische Exerzitien werden auch in evangelischen Kommunitäten oder evangelischen Einrichtungen angeboten (wenn auch nicht ganz billig…). Die Homepage der EKD hilft da weiter, allerdings muss man sich ziemlich durchklicken bis zu einer externen Webseite, wenn ich mich recht erinnere… Meine Landeskirche bietet nur Fortbildungen zum geistlichen Begleiter an, aber keine Begleitung! Frustrierend… Vor allem, wenn man es damit vergleicht, dass es eigens Exerzitienreferate in der katholischen Kirche gibt und vieles sogar kostenlos ist.
    Ich würde aber auch jederzeit zu einem katholischen Exerzitienleiter gehen (falls der mich nehmen würde, ich habe es noch nicht ausprobiert), wenn ich nicht gerade zufällig eine Kommunität vor der Haustür hätte.

    Martin L. heiligsprechen, um ihn zu entschärfen und einzugemeinden? WTF?
    LOL Cleverer Schachzug. Richtig ausgebufft. 😀

    Aber macht es bald. Dann sollte zeitnah eine Nonne beim Beten an seinem Schrein eine Vision haben, in der er seine Lehren „richtigstellt“, die Nonne wird seliggesprochen, und es gibt kein Problem mehr. Mit einer Gegenvision wäre derzeit nicht zu rechnen.

    Wenn Ihr zu lange wartet, gibt’s irgendwann womöglich auch ausgeprägte Visionen von evangelischen Nonnen, denen am Ende von Seiten der Kirche auch noch geglaubt wird. NOCH gelten keine Privatoffenbarungen bei uns, aber unterdrückte „ketzerische“ Zweige der Reformation wie das „Schwärmertum“ sind an der Basis durchaus wieder im Kommen. 😉

    Mir sind noch ein paar interessante Parallelen zwischen Ignatius und Luther aufgefallen. Sie waren altersmäßig ja auch nur wenige Jahre auseinander und haben vielleicht ähnlich Probleme mit dem scholastischen Erbe ausgefochten, allerdings dann auf unterschiedliche Weise (ich persönlich glaube ja, dass man die politische Situation und die Struktur des Kaisertums in Deutschland mehr berücksichtigen muss und es nicht einseitig Luther als Person unterstellen darf, er habe sich – im Gegensatz zu Ignatius – abspalten wollen). Bei beiden lag eine persönliche Krise mit dem Bußsakrament vor (nicht selten damals, soweit ich weiß), beide haben ihre persönliche Lösung für Seelsorgezwecke weiter ausgebaut, beide haben klösterliche Spiritualität weiterentwickelt und in den Alltag getragen (Stichwort Verallgemeinerung der Innerlichkeit). Auch in ihrem Gottes- und Menschenbild (Relationalität und Bezogenheit des Menschen auf Gott) scheinen sie mir Gemeinsamkeiten zu haben. Aber da bin ich keine historisch-theologische Expertin, das wisst Ihr sicherlich besser, und ich will hier nicht zu viel rumtexten.

    Eine ganz konkrete Frage hätte ich an Euch:
    Ihr habt erwähnt, dass Ihr in einer früheren Folge über die Bibel und Martin Buber gesprochen habt. Leider habe ich es nicht gefunden. Tomaten auf den Augen oder zu gut versteckt? Könnt Ihr mir da weiterhelfen?

    Danke schonmal & liebe Grüße
    Ina

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    1. Hallo Ina – vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar!
      Zum Buber: In seinem Aufsatz “Zu einer neuen Verdeutschung der Schrift”, den er im Zuge seines gemeinsamen Bibelprojektes mit Franz Rosenzweig geschrieben hat und der über die Prinzipien ihrer Bibelübersetzung Auskunft gibt, steht: “Die Bibel will als Ein Buch gelesen werden, so daß keiner ihrer Teile in sich beschlossen bleibt, vielmehr jeder auf jeden zu offengehalten wird; sie will ihrem Leser als Ein Buch in solcher Intensität gegenwärtig werden, daß er beim Lesen oder Rezitieren einer gewichtigen Stelle die auf sie beziehbaren, insbesondre die ihr sprachidentischen, sprachnahen oder sprachverwandten erinnert und sie alle für ihn einander erleuchten und erläutern, sich für ihn miteinander zu einer Sinneinheit, zu einem nicht ausdrücklich gelehrten, sondern dem Wort immanenten, aus seinen Bezügen und Entsprechungen hervortauchenden Theologumenon zusammenschließen.” (Die Schrift. Verdeutscht von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. Bd. I, Die fünf Bücher der Weisung. Stuttgart. 1992. Seite [13].)
      – Das ist zwar etwas kompliziert formuliert, für mich aber die beste Beschreibung kanonisch-intertextuell-lebendiger Bibellektüre ever! – Nicht ein Bibeltext enthält Offenbarung, sondern nur die Bibel als Ganze, wenn Sie von einem Menschen gelesen wird…
      hgf

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      1. Hey Florian,

        vielen Dank für das Zitat inklusive Quellenangabe!
        Ja, klasse ausgedrückt von Buber. Das werde ich garantiert häufiger benutzen, wenn ich es mal wieder mit “Bibeltreuen” zu tun habe…
        Macht doch mal ne Folge zum Bibellesen. Das würde mich total interessieren, wie das “auf katholisch-zeitgenössisch” geht. Da könnte ich vielleicht mal über die Endlosschleifen des innerevangelischen Streits zwischen “Liberalen” und “Bibeltreuen” hinausschauen…

        LG, Ina

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