GretchenfrageInterview

GF015: Von Tätern, Betroffenen und Prävention

“Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden Personal- und Handakten von 38.156 Klerikern der 27 Diözesen aus den Jahren 1946 bis 2014 durchgesehen (TP6). Dabei fanden sich bei 1.670 Klerikern der katholischen Kirche Hinweise auf Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Das waren 4,4 Prozent aller Kleriker aus den Jahren 1946 bis 2014, von denen Personalakten und weitere Dokumente in den Diözesen durchgesehen wurden. Diese Zahl stellt eine untere Schätzgröße dar; der tatsächliche Wert liegt aufgrund der Erkenntnisse aus der Dunkelfeldforschung höher.” – MHG-Studie 2018
Nicht erst seit der großen Studie des vergangenen Jahres weiß die katholische Kirche von Fällen sexuellen Missbrauchs und sexualisierter Gewalt in ihren Institutionen. Nach Bekanntwerden von Fällen im Jahr 2010 bemühen sich die deutschen Bistümer um einen angemessenen Umgang mit Tätern und Betroffenen. Gleichzeitig haben viele Bistümer Maßnahmen zur Prävention ergriffen; so auch das Bistum Essen.
Gemeinsam mit Frau Dr. Andrea Redeker, Präventionsbeauftragte des Bistums Essen und Frau Angelika von Schenk-Wilms, Missbrauchsbeauftragte des Bistums Essen, sprechen wir über die Ursachen sexuellen und geistlichen Missbrauchs, über eine nötige Kulturveränderung im Umgang mit Grenzverletzungen und Missbrauchsfällen und über die Präventionsarbeit in unserem Bistum.

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2 Gedanken zu „GF015: Von Tätern, Betroffenen und Prävention

  1. Lieber Flo, lieber Mark,
    ich habe sehr lange überlegt ob ich diese persönliche Anekdote hier öffentlich teilen möchte, aber für mich war nachfolgende Erfahrung sehr einschneidend (im positiven Sinne) und irgendwie scheint es mir zum Thema passend…

    Bei Marks Erzählungen zum Thema Sensibilisierung/Grenzverletzung musste ich an ein Beichtgespräch vor knapp zwei Jahren denken. Der Priester fragte mich vor der Absolution, ob es für mich in Ordnung ist, wenn er mir dafür die Hände auflegt. Ich bin über diese Frage mit “ja, ja” hinweg gebügelt (das ganze Gespräch war furchtbar emotional mit viel Tränen und außerdem war es die erste Beichte nach Erstkommunion, ich war entsprechend, äh, etwas durch den Wind…).
    Tage danach erst konnte ich verbalisieren wie sehr mich diese Frage irritiert. Als Betroffene ist mein Selbstbild manchmal nämlich so “meine Grenzen sind egal, die werden sowieso ignoriert”. Ich hatte wochenlang immer wieder den Gedanken, mit dem Typen stimmt was nicht, anstatt mein eigenes Selbst- & Weltbild zu hinterfragen. Auch in einem der nachfolgenden Gesprächen hat er vor einer Segnung erst mein Einverständnis zur Handauflegung eingeholt, er wusste zu diesen Zeitpunkten (noch) nicht, dass ich diesbezüglich vorbelastet bin. Ich bin unglaublich dankbar für diese heilsame Erfahrung!

    Sein Gegenüber vor Körperkontakt um Erlaubnis zu bitten, selbst bei scheinbar trivialen Handlungen/ Ritualen, die für einen selbst vielleicht selbstverständlich dazugehören, das ist nicht nur achtsam, sondern kann auch Welten verändern.

    Schön, dass ihr wieder da seid und nun Verstärkung habt 🙂

    Lieben Gruß
    E.

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    1. Mit etwas Verspätung: Vielen Dank für Deinen Mut, Dein persönliches Erlebnis hier zu teilen!
      Es zeigt (mir) einmal mehr, dass so vieles nicht selbstverständlich ist und es immer gut ist, im Zweifelsfall lieber einmal mehr zu fragen, zu sprechen, sich abzustimmen.
      Auch wenn es mühsam ist und sogar die Verunsicherung zunächst verstärkt. Wie schön, dass es für Dich nach und nach zu mehr Klarheit geführt hat.

      Das Handauflegen habe ich selbst zum ersten Mal erlebt, als ich noch nicht zur Kirche gehörte, aber angefangen habe, in der Eucharistiefeier mit zum Altar zu gehen. Statt die Hostie zu erhalten, kann man sich segnen lassen. Ich habe die Handauflegung als etwas sehr inniges und schönes erlebt – ich kam in dem Moment überhaupt gar nicht auf die Idee, dass diese Geste auch als übergriffig und problematisch erlebt werden kann. Ich habe auch erst rückblickend den fragenden Blick des Priesters verstanden, der sich eben auch mein Einverständnis holen wollte.
      So bleibt nur: Lernen lernen lernen…und drüber sprechen.

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